12. September 2012 - Main-Post, Schweinfurt

Diese Nummer hat was von Landstreicher-Romantik: Vier junge Burschen ziehen ganz ohne Geld,

aber mit einem Bollerwagen voller Musikinstrumente, Zelte und Kochgeschirr durch die fränkische Flur; 14 Tage lang, immer der Nase nach. Unterwegs stoppen sie in Wirtshäusern oder Biergärten, spielen freche „Lumperliedli“ und lassen den Hut rumgehen. Die Gäste finden's prima, werfen Klimpergeld hinein und manchmal raschelt es auch. Das soeben Verdiente wird umgehend reinvestiert – in Bier und Brotzeiten, denn „einen Hunger und einen Durst bekommt man schon auf so einer Tour“.

Das sagt Konstantin Eckert. Er ist einer der vier „Eurumer Banditen“. Die sind eigentlich eine fidele Blasmusik-Combo aus Untereuerheim, zogen heuer im Sommer aber zum dritten Mal die Wanderstiefel an und erkundeten „auf Schuster's Rappen“ Main- und Tauberfranken. Das einzige „Mädel“, das auf der Tour geduldet ist, wurde auf den Namen der Kinderroman-Heldin „Rote Zora“ getauft; es handelt sich um den Bollerwagen Marke Eigenbau, der täglich zwischen 15 und 20 Kilometer über staubige Flurwege gezogen wird und fast das ganze Hab und Gut der fröhlichen Vagabunden beherbergt.

Das musikalische Quartett kennt sich seit der Kindergartenzeit. Die Jungs teilen gleiche Freizeitinteressen, einen ziemlich schrägen Humor und die gemeinsame Liebe zur Musik. Alle haben sie ihr Instrument von der Pike auf gelernt: Konstantin Eckert das Tenorhorn, Christoph Riegler sein Saxophon, Maximilian Weber die Posaune und Lorin Hümpfer... nein, nicht die Teufelsgeige, mit der er bei den Banditen den Takt vorgibt, sondern Schlagzeug.

Seit 2010 – damals gaben die noch Halbwüchsigen im Fasching die „Eurumer Opas“ – machen sie zusammen Musik und garnieren ihre Auftritte mit derben Sprüchen aus der „fränkischen Schlappgoschn“.

Blitzgescheite Jungs

Derb ist auch ihr Outfit; grobe Hemden, legere Kniebund-Cordhosen, alte Schlapphüte. Der „ländliche Chic“ täuscht ein wenig hinweg über die klugen Köpfe, die sich unter dem Filz verbergen. Denn die Jungs sind „blitzgescheit“, studieren Geschichte (Konstantin), Medizin (Christoph) und Physik (Maximilian) oder bauen im nächsten Jahr ihr Abi (Lorin). Ihren „Esprit“ erleben die Zuhörer allerdings bei den meist eigenwillig-charmanten Interpretationen des fränkischen Liedguts oder bekannter Jazz- und Rock-Klassiker. So bildete sich binnen kurzer Zeit eine kleine, aber ziemlich eingeschworene Fangemeinde.

Und auch Veranstalter wurden schon aufmerksam auf die bunte Truppe, die zum Beispiel beim letztjährigen Schweinfurter Stadtfest oder dem Honky Tonk als „Walking Act“ auftraten. In Bamberg durften sie neulich im Open-Air-Kino das Vorprogramm gestalten, demnächst sind sie beim Sudhausfest des Brauhauses zu hören. „Andere gehen in den Semesterferien in die Fabrik, wir verdienen uns unser Studium mit der Musik“, sagt „Mediziner“ Christoph lakonisch. Auch bei der Tour – von U'heim über Rothenburg, das Taubertal hinunter bis nach Wertheim – seien am Ende ein paar Groschen übrig geblieben, aber hauptsächlich „war das unser Sommerurlaub. Und der war klasse“, resümiert Konstantin zufrieden.

Was sagen die Eltern zur musikalischen Karriere der Jungs? „Die finden's oberspitze und sind stolz wie Bolle“, antwortet zur Abwechslung mal Maximilian. Und die Freundinnen? Nur Konstantin (21) ist in festen Händen, studiert allerdings auch gemeinsam mit der Freundin in Würzburg, sodass die seine häufige Absenz – bei Auftritten oder der alljährlichen Wandertour – offensichtlich locker verschmerzen kann. Christoph (19), Maximilian (20) und Lorin(19) sind zurzeit solo und genießen diese Freiheit. Im Sommer haben die Vier fast an jedem Wochenende einen Auftritt, im Winter wird's ruhiger. Dann gastieren sie allenfalls auf Privatfeiern oder anlässlich der Bockbieranstiche in Uli Martins Hausener Braugaststätte. Der sei „ein früher Förderer“ gewesen, habe sie immer wieder in dem engen Lokal auftreten und den Hut herumgehen lassen.

Im Internet unterwegs

Lorin, Christoph und Co. sind keine „narrischen Facebook-Freaks“, aber natürlich auch im Internet präsent. Unter www.eurumer-banditen.de präsentieren sie sich konventionell im Schwarzweiß-Design, unter www.facebook.de/eurumerbanditen kann man ihnen folgen – rein virtuell, auch bei ihren Sommerwanderungen. Die seien – scherzt Konstantin – „die fränkische Variante von Work & Travel“. Früher habe man sich damit auch neues Publikum und das eine oder andere Engagement an Land ziehen wollen. Heute freuen sich die fidelen Burschen über „die abwechslungsreichen Begegnungen mit den Menschen“. Vor allem aber freuen sich die über sie...