14. Januar 2011 - www.nuus.de

Untereuerheim - Wer unlängst zu Besuch war in der Brauereigaststätte Martinsbräu in Hausen bei Schonungen,

mag sich vielleicht gewundert haben über vier junge Burschen, die mit einer etwas anderen Art von Blasmusik die Stube einheizten. Es handelte sich um die "Eurumer Banditen", um ein Quartett mit 17 bis 20 Jahre alten Jungs, die allesamt aus Untereuerheim stammen und zusammen groß wurden.

Christoph Riegler und Konstantin Eckert spielten früher schon in der örtlichen Blaskapelle, gründeten dann mit Korin Hümpfer eine Rockband. "Als wir dann zu viert eine Idee für einen Auftritt im Untereuerheimer Fasching suchten, war schnell klar, dass wir unser musikalisches Können verbinden wollten. Gesagt getan: Im Fasching 2010 traten wir zum erstenmal als ´Eurumer Opas´ auf. Wir verbanden die Sprüche und die ´fränkische Schlappgoschn´, die wir von unseren Großvätern und Bekannten kannten, mit einigen kurzen Liedeinlagen. Die Resonanz viel deutlich besser aus als wir selbst es erwartet hatten, erzählz Konstantin lachend.

Doch es dauert noch etwas, bis die Idee zu den „Eurumer Banditen“ geboren wurde. Einige Zeit später Mitte Mai, geschah es dann. "Als wir uns einmal wieder alle in unserem Privatrefugium trafen schlug, Konstantin etwas vor", berichtet Maximilian Weber, der Vierte im Bunde. Die Idee war, eine Band oder Kapelle zu gründen, in der nur die vier Freunde der Clique mitwirken sollten, die Art der Musik sollte durch die Instrumente bestimmt werden, die zur Verfügung standen. "Zudem wollten wir alte fränkische ´Lumperliedli´ und ´Fetzer´ spielen, die in den großen Kapellen oft als „zu simpel“ verrufen sind, die die Leute aber eigentlich gerne hören."

Sofort fand der Vorschlag Anklang und wurde kurzerhand ausgearbeitet. Fest stand gleich zu Beginn, dass Christoph Saxophon und Konstantin Tenorhorn spielen würden und auch Maximilian sollte Tenorhorn spielen. Nur Lorin konnte sein Schlagzeug leider nicht direkt einbringen, "wollten wir doch mobil und flexibel sein", so Konstantin. "Doch dieses Problem hielten wir für lösbar. Schnell war auch unser Name gefunden": „Eurumer Banditen“ schien das Quartett am besten zu beschreiben. „Eurum“ als fränkische Kurzform von UNTEReuerheim erklärt sich von selbst und das „Banditen“ sollte für den fränkischen Humor stehen, "den wir in unser Unterhaltungskonzept mit einfließen lassen wollten. Auch einheitliche Kleidung wollten wir tragen und so sieht man uns bei Auftritten immer noch, nach richtiger Banditenmanier, mit Hemd, Weste und vor allen Dingen mit Hut spielen. Natürlich sollte die Uniform auch eine humoristische Anspielung auf die Tracht der großen fränkischen Blaskapellen sein, über deren Steifheit wir uns ein bisschen lustig machen wollen.", erzählt Maximilian.

Die erste Probe kam dann jedoch anders als gedacht. Zwei Wochen vor dem ersten geplanten Auftritt beim 50. Geburtstag von Konstantins Vater brach im Hümpfer’schen Probekeller Panik aus. Denn mit der Tenorhorn-Tenorhorn-Saxophon-Marschtrommel-Besetzung stellten selbst die scheinbar so simplen „Lumperliedli“ eine unlösbare Aufgabe dar. Kurz: "Es klang nicht besonders gut...,  eher miserabel", lachen beide. Zwei Tenorhörner waren zu monoton und die Marschtrommel klang für die kleine Besetzung zu laut, hart und zu „schneidend“. Da holte, zur Überraschung aller Anderen, Maximilian eine Posaune hervor und schlug vor, so die Instrumentenvielfalt zu erhöhen. Allerdings hatte er noch nie einen einzigen Ton auf einer Posaune gespielt, er hatte nur im Internet nachgesehen, wie er das Leihstück aus seiner Schule halten musste. Außerdem blieb da noch das „Trommelproblem“.

Bis zur nächsten Probe rauchten vier Köpfe und ein Posaunenmundstück. Da kam Konstantin die Idee, Lorin eine Teufelsgeige zu bauen. Gesagt getan: nur mit ein paar „Googlebildern“ im Kopf bauten er und Lorin dann aus ein paar alten Fundsachen, einer Schlagzeugglocke und einem alten Becken einen eigenen „Rhythmusstab“. Und noch heute ist die Teufelsgeige das musikalisches Herz und Markenzeichen. Die nächste Probe verlief wesentlich besser. "Wir verteilten verschiedene Stimmen, die die Teufelsgeige mit ihren vielen Möglichkeiten untermalte. Unser Stil war geboren und das erste Lied, das wir spielten, war ´Radel da´. Als wir dann Anfang Juni ´Radel da´ auf dem Geburtstag mit einigen anderen Liedern zelebrierten und uns als die ´Eurumer Banditen´ vorstellten, war die Stimmung bereits so gut, dass Maximilian den Ausruf prägte: ´Die Leut frassen di Diesch!´"

Schnell folgten kleinere Auftritte in Untereuerheim, "doch wir drohten uns nach neun Auftritten in nicht ganz acht Wochen in einem so kleinen Ort zu verbrauchen. Wir ahnten,dass wir raus mussten, bevor uns die Luft ausgehen würde.Wir mussten sehen, wie wir mit den ´Eurumer Banditen´ neue Jagdgründe erschließen konnten. Da kamen uns eine Idee gelegen, die alles verändern sollte.Wenn man von ihr erzählt, klingt sie ebenso kurios wie simpel. Wenn niemand uns zum Publikum brachte. dann gingen wir eben selbst dorthin und zwar zu Fuß. Der Plan war, eine Woche von Untereuerheim mainabwärts zu laufen, soweit wie wir kommen würden und überall dort unsere Musik unter die Leute zu bringen, wo man uns lässt". Die Route plante das Quartett genau am Main entlang durch die Weinschleife über Dettelbach, Kitzingen und Ochsenfurt nach Würzburg.

"Schlafen wollten wir unter freiem Sternenhimmel, nur von einer Plane vor Tau geschützt. Der Speiseplan sollte aus Dosenwurst, an der Feuerstelle Zubereitetem und dem bestehen, was uns die Leute vielleicht schenken würden. Startkapital für unsere Tournee erhielten wir, als unser Hut am Tag vor der Abreise bei einem Auftritt auf dem Untereuerheimer Fischfest die Runde machte", berichten Konstantin und Maximilian. Natürlich brachte solch ein Unterfangen eine gewaltige Menge an Ausrüstung mit, die auch transportiert werden musste. "Denn wir benötigten ja nicht nur jeder seine persönliche Ausrüstung, sondern auch Topf, Pfanne, Grillrost, Klappspaten, Beil, Nutzwasser, Nahrungsmittel und Getränke sowie natürlich auch unsere geliebten Instrumente, deren Gewicht in einer Blech(!)blaskapelle selbstredend nicht zu unterschätzen ist."

So fiel die Wahl schnell auf einen Bollerwagen, der neben der Ausrüstung, die alle gemeinsam benutzen würden, auch die Instrumente tragen sollte. "Als wir aber vor dem Wäglein standen, fiel uns auf, wie klein die Ladefläche von Besagtem doch werden kann, wenn man soviel Gepäck zu befördern hat. Außerdem war ein Reifen platt und einige Schrauben locker." So wurden die „Eurumer Banditen“ zu Handwerkern. "Wir plünderten ein paar Bretter vom hiesigen Sperrmüll, besorgten schwarze Farbe und ein neues Rad und frisierten den alten Bollerwagen zu einer Zugmaschine mit Aufbau. Liebevoll tauften wir das Gerät auf den Namen ´Natascha´, nach einem unserer Lieder: ´Schwarze Natascha´. Jetzt endlich waren wir gerüstet für das Abenteuer, das uns vorschwebte, doch es sollte noch abenteuerlicher werden,  als wir es uns je hätten ausmalen können."

Als die Banditen sich am 23. August 2010 um 8:30 Uhr an der letzten Kreuzung vor dem Ortsausgang in Untereuerheim in voller Montur und ausstaffiert bis zum letzten trafen, begann zu tröpfeln. Wenige Kilometer später, noch bevor sie in der nächsten Ortschaft waren, schüttete es bereits in Strömen. "So schlugen wir uns durch den ersten Tag der Wanderung, noch ganz ohne Musik zu spielen. Glücklicherweise hörte es auch wieder auf zu regnen. So konnten wir am Abend unser erstes warmes Essen auf einem kleinen Feuer zubereiten und lagerten einigermaßen trocken auf einer Wiese hinter Garstadt. Noch kurz bevor alle eingeschlafen waren, blähte plötzlich eine starke Brise die Plane, die uns, lose im Wind flatternd, Schutz bieten sollte. Wenige Minuten später noch, bevor wir uns entschließen konnten, was wir tun würden, fanden wir uns schon in einem nächtlichen Sturm wieder. So schnell wir konnten, mussten wir jetzt unsere Ausrüstung wieder zusammenpacken und Hals über Kopf zurück in das circa fünf Kilometer entfernte Garstadt. Dort legten wir uns kurzerhand in die glücklicherweise großzügig überdachte und windgeschützte Bushaltestelle. Das rettete unsere erste Nacht und am Morgen konnten wir zumindest trocken und einigermaßen ausgeruht die Wanderung fortsetzen. Nur unsere Moral hatte einen großen Riss in der Fassade."

"Wir folgten dem Main weiter flussabwärts, setzten in Obereisenheim mit der Fähre über und kamen bis zum Mittag nach Fahr. Dort an der Fähre machten wir Brotzeit, die Sonne stach heraus und wir spielten das erste mal auf unserer Wanderung für die Radfahrer an der Fahrer Fähre. Das war ein wichtiger Augenblick, denn er rettete unsere Stimmung. Am Nachmittag erreichten wir dennoch relativ erschöpft Volkach und ließen uns mitten auf dem Marktplatz auf den Stufen des Brunnens nieder und machten Rast. Da plötzlich trat ein älterer Herr zu uns heran und sprach uns an. Er sei ein hiesiger Lokalbesitzer und wir sollten doch einmal anfangen zu spielen. Nach einer kurzen Rücksprache im Rathaus setzten wir unseren Plan in die Tat um und spielten für die Touristen, die an diesem inzwischen recht sonnigen Sommernachmittag in Volkach weilten. Schnell sammelten sich die Leute und warfen Geld in unseren Hut. Ein Erlebnis, das uns beeindruckte. Dieser Auftritt in Volkach war einer der schönsten auf unserer Wanderung. Doch fast noch besser war, dass uns der Herr, der uns angesprochen hatte, kurz darauf zu sich nach Hause einlud uns in seinem Keller eine komfortable Unterkunft bot und uns mit einer reichlichen Brotzeit verpflegte. Für diese Gastfreundschaft sind wir ihm bis heute sehr dankbar."

Am nächsten Tag konnten die vier Banditen motiviert und bei Sonnenschein in einen neue Etappe starten und fanden ein Stück hinter Dettelbach ein Lager unter einer Brücke direkt am Main, in dem sie nach einem warmen Essen auch badeten. Am dritten Tag hatten sie Gelegenheit, in Kitzingen zu spielen, verließen das Städtchen aber bei leichtem Regen und mit der Warnung von Passanten, dass ein schlimmer Sturm bevorstünde. "Mit dieser Information im Hinterkopf versuchten wir natürlich einen geschützten Schlafplatz zu erreichen, den wir unter einer Brücke zu finden hofften. Als wir aber vor der Autobahnbrücke der A7 bei Segnitz und Marktbreit standen schwante uns Übles. Wer schon einmal unter dieser Brücke gestanden hat, kann sich vorstellen welchen Schutz diese bei Regen oder Sturm bieten kann. An ihrer höchsten Stelle ist sie nämlich gefühlte 50 Meter hoch. So versuchten wir eine möglichst niedrige Stelle zu finden, mit mäßigem Erfolg,"

"Doch noch ahnten wir nicht, was uns erwarten würde und legten uns, fatalistisch wie wir waren, ohne (!) unsere provisorische Plane unter die Brücke. Nach etwa einer Stunde, es war bereits stockdunkel, fanden wir uns in einem Regen wieder, wie wir selbst ihn selten erlebt haben. Vor allem nicht ohne Schutz im Schlafsack unter freiem Himmel. Wobei von ´freiem Himmel´ nicht die Rede sein konnte. Denn wie sich später herausstellen sollte, durften wir einen der schlimmsten Stürme des Jahres am eigenen Leib miterleben. Der Hang um uns herum wurde buchstäblich weggeschwemmt. Instinktiv nahmen wir die Plane, auf der wir lagen, und unsere Schlafsäcken mit hinter einen Betonpfeiler der Autobahnbrücke und kauerten uns auf die wettergeschützte Seite. Man muss sich das so vorstellen: Vier junge Männer, die bis auf die Unterhose nass sind, wobei sie außer besagtem Höschen nichts am Leibe tragen, weil sie ja noch kurz zuvor im Schlafsack lagen, drängen sich auf ihren verschlammten Isomatten und Schlafsäcken unter einer ebenso verpichten Plane. Glücklicherweise war unsere so improvisierte, sehr enge Behausung durch unsere eigene Körperwärme wärmer als gedacht. So verbrachten wir den Rest der Nacht (und das waren ungelogen fünf Stunden!) nass, fast nackt und nur mit zwei Zigarillos im Schlamm. An Schlaf war nicht zu denken!"

Erst als es dämmerte, konnten die "Eurumer Banditen" ihre Ausrüstung, die zum Teil trocken geblieben war, bergen, sich neu einkleiden und sich auf den Weg Richtung Ochsenfurt machen. "Der Anblick, den wir so am Morgen des 27. August boten, war wirklich jämmerlich, so verdreckt und nass wie wir und unsere Habe waren. Nur unserer Stimmung konnte diese Horrornacht nichts anhaben. Kurzerhand nahmen wir uns in Ochsenfurt eine kleine Ferienwohnung, kochten uns etwas, duschten heiß, trockneten unsere Ausrüstung und fanden sogar noch Kraft und Lus,t am Abend in der Stadt zu spielen."

Doch auch am nächsten Tag blieb das Wetter schlecht, und so entschlossen sich die Untereuerheimer, eine weitere „feuchtfröhliche“ Nacht zu meiden und mit dem Zug nach Würzburg zu fahren. Also kamen sie schließlich am Samstag in der Bezirkshauptstadt an und begannen gleich in der Fußgängerzone zu spielen. Wie ein paar Tage zuvor in Volkach kamen sie sofort an. Die Stimmung der Passanten war trotz des wechselhaften Wetters sehr gut und sie konnten mit ihrer Musik vielen Menschen eine große Freude bereiten. "Das war ein schöner Abschluss für solch ein Abenteuer, wie wir finden. Nach einem erfolgreichen Tag fuhren wir am Abend schließlich mit dem Zug nach Schweinfurt Richtung Heimat. Diese Tournee, wie wir sie nennen, führte uns am Ende nicht nur zu einem neuen Publikum, neuen Bekanntschaften und Engagements sondern auch durch einen wunderschönen Teil Frankens. Besonders die herrlichen Weinberge der Weinschleife machten uns zu Liebhabern unserer eigenen Region", berichten sie.

"Unsere Wanderung brachte uns später noch öfter zurück in die oben genannten Gegenden, wo wir noch so manchen Auftritt absolvierten. Doch nicht nur das, nein unsere Tournee machte uns auch erfahrener und selbstbewusster. So besuchen wir, wie schon erwähnt, ab und an Gasthäuser ohne große Ankündigung und geben unsere Musik zum besten. Auf selbe Weise kamen wir auch nach Hausen zu Ulrich Martin und wurden von ihm prompt für eine Schlachtschüssel engagiert. Naja, bis heute spielen wir halt überall, wo man uns lässt und sich über unsere Musik freut, so begrüßen wir jedes Engagement und jede Einladung."

Von Anfang an wollten die "Eurumer Banditen" vor allem das machen, was sie nur selten oder nie bei „normalen“ Blaskapellen hörten. Das waren auf der einen Seite, wie schon gesagt, die fränkischen „Lumperliedli“ und „Fetzer“, aber auch einfache deutsche Volks- und Kinderlieder. Auf der anderen Seite aber wollten die Vier auch Schlager, Rocksongs und das eine oder andere Jazzstück einbauen. So findet man in dem Repertoire heute Stücke wie das „Steigerwaldlied“, „Radl da“, „Bergvagabunden“, „Hoch auf dem gelben Wagen“, „Rosamunde“, „Mary-Lu“, „Ein Männlein steht im Walde“ , „Auf der Mauer auf der Lauer“, „T.N.T.“ und „Ring of Fire“. Um es zusammen zu fassen. "Wir spielen das, was uns gefällt, bunt durcheinander."

Bisher musste man vor allem zur rechten Zeit am rechten Ort sein, wenn man die Banditen erleben wollte. Denn um an neues Publikum zu kommen, besuchen sie hin und wieder einfach einmal Gasthäuser und Biergärten und legen nach einem kurzen Plausch mit dem Wirt einfach los. So wie unlängst in hausen. Eine andere Möglichkeit, das Quartett zu erleben, ist natürlich die Vier auf einem Fest zu treffen. "Jedenfalls verteilen wir immer gerne unsere Visitenkärtchen und freuen uns über jeden Auftrag, von der Kirchweih bis zu Omas achtzigsten Geburtstag." Inzwischen allerdings hilft uns nicht nur Eigenwerbung und Mundpropaganda, sondern auch das Internet, denn seit kurzem sind sie über Myspace auf der Seite zu erreichen. Dort kann man sie aber nicht nur buchen, sondern auch erfahren, wo sie demnächst spielen. Bislang gibt es für 2011 zwar Anfragen, aber noch keine festen Engagements.