25. März 2013 - Main-Post, Rügheim

Die Eurumer Banditen begeistern mit fränkisch-frecher Blasmusik und Teufelsgeige.

Es scheppert, rasselt, klappert und klirrt – diese Teufelsgeige macht ordentlich Krach. Richtig guten Sound macht das Lärminstrument, wenn es so teuflisch gut gespielt wird wie von Lorin Hümpfer. Er gibt bei den „Eurumer Banditen“ den Takt vor. Die vier jungen Burschen zettelten einen Überfall auf die Lachmuskeln des Publikums an und sorgten mit ihrer besonderen Blasmusik im vollbesetzten Rügheimer Schüttbau für eine tolle Stimmung.

Konstantin Eckert (22), Christoph Riegler (20), Maximilian Weber (20) und Lorin Hümpfer (19) stammen aus Untereuerheim und spielten schon im Sandkasten zusammen. Ihre musikalischen Wurzeln liegen in der Blaskapelle Untereuerheim. Die läuft zum Silvesteranblasen mit sogenannten „Lumperliedli“ – einfache Stücke, die jeder auswendig spielen kann, meist mit spöttischen Versen versehen – durchs Dorf. „Eigentlich schade, die nur an Silvester zu spielen“, habe er sich gedacht, berichtet Anführer Konstantin.

Flugs war die Idee, eine eigene Blaskapelle zu gründen geboren und in die Tat umgesetzt. Auch auf den Namen – Dialektform von Untereuerheim kombiniert mit dem Outfit Hemd, Weste, Hut – einigte man sich gleich. In der eher ungewöhnlichen Mischung ihres Repertoires spiegelt sich alles, was den vier „Eurumern“ gefällt und Spaß macht: traditionelle Blasmusik, „Lumperliedli“, „Fetzer“, Schlager, Rock und Jazz.

Lampenfieber schnell verflogen

Das anfängliche Lampenfieber auf der großen Bühne im Schüttbau – es war erst das zweite Konzert der Truppe – war schnell verflogen und frech schmarrten die vier daher, wie ihnen die fränkische Goschn gewachsen ist. Mit humorvollen Geschichten von ihren Wandertouren würzten sie das musikalische Programm.

Seit drei Jahren ziehen die „Eurumer Banditen“ auf Schusters Rappen durchs Frankenland. Die „rote Zora“, ein Bollerwagen Modell Eigenbau, transportiert Instrumente und Ausrüstung. In Biergärten, Wirtshäusern und Fußgängerzonen erspielen die Musikanten Brotzeit und Flüssiges gegen den Durst.

Sprühend vor Musizierlust und Spielfreude gewannen die vier Eurumer schnell die Sympathie des Publikums. Kaum erklangen die ersten Takte von bekannten Stücken wie dem Franken- oder dem Rhönerlied, dem Lied vom „Schmied seiner Fra“ oder „dem toten Fisch im Wasser“, stimmten alle im Saal aus voller Kehle ein. Doch die Gassenhauer wurden keineswegs in Bierzeltmanier heruntergespielt, sondern glänzten durch Takt- und Tempiwechsel und mit fantasievollen musikalischen Einfällen.

Gabriele Geiling aus Ostheim erkoren die vier Spaßvögeln zu ihrer Auserwählten des Abends. Gelassen beantwortete sie allerlei Fragen, wurde – passend zum Lied – mit zwei weißen Rosen beschenkt und durfte gar mit Frauenkümmerer Lorin einen flotten Walzer drehen. Währenddessen verschmolzen die drei übrigen Banditen zu einer „Einheit aus Fleisch und Blech“, da sie nun zu dritt vier Instrumente bedienen mussten.

Jazzig und bluesig wurde es mit Ohrwürmern wie „Summertimes“, „Oh when the saints“ oder „Hit the road Jack“. Mit „Satisfaction“ und „Smoke on the water“ rockten die Banditen die Bühne. Dabei begeisterte Christoph mit diversen Soloeinlagen am Saxophon. Wenn er nicht gerade flotte Sprüche brachte oder als blondperückte Operndiva im hohen Sopran trällerte, brillierte Konstantin auf dem Tenorhorn. Gekonnt sorgte Maximilian auf der Posaune für den unerlässlichen Nachschlag, bewies sein Können aber auch mit mehreren Soloeinlagen.

Alleinstellungsmerkmal

Ist die Besetzung mit Tenorhorn, Saxophon und Posaune schon ungewöhnlich, verleiht die selbst gebaute Teufelsgeige der Truppe ihren ganz eigenen Stil. An einem Holzstab sind ein Bund mit Flaschenöffnern, ein ausrangierter Kochtopf, ein Becken, ein Schellenring und andere Schlaginstrumente befestigt. Die Spitze schmückt der Teufelskopf einer Figur, wie sie beim Kaspertheater verwendet werden. Durch Aufstampfen des Stabes und Bearbeiten der befestigten Gegenstände mit einem Schlägel entlockte Schlagzeuger Lorin der nicht einfach zu spielenden Teufelsgeige ihren typischen Klang.

Die begeisterten Zuhörer forderten mehrere Zugaben. Schließlich winkten alle den „Eurumer Banditen“ bei ihrem Auszug mit „Muss i denn zum Städtele hinaus“ mit den zuvor verteilten Taschentüchern zum Abschied zu: auf ein baldiges Wiedersehen.